Hochwasser, Taifune, Hurrikans - Sind wir noch zu retten?

Dr. Franz Alt  |  24.09.2005

Auf dem Weltgipfel der UNO wird in diesen Tagen die Lage auf unserem Planeten so beschrieben:

  • Die Hälfte der Menschheit muss mit weniger als zwei Euro pro Tag auskommen.
  • 26.000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger und Wassermangel.
  • Wir in den Industriestaaten verbrennen heute an einem Tag soviel Kohle, Gas und Öl wie die Natur in 500.000 Tagen geschaffen hat.
  • Die USA geben in 32 Stunden für Kriege und Militär soviel Geld aus wie der UNO in einem ganzen Jahr zur Verfügung steht.
  • Wegen des Treibhauseffektes rotten wir jeden Tag bis zu hundert Tier- und Pflanzenarten aus und vergrößern die Wüsten täglich um 30.000 Hektar.
  • Die Menschheit wächst jeden Tag um eine Viertelmillion Menschen.
  • Die vier reichsten US-Männer verfügen über mehr Geld als eine Milliarde der Ärmsten.

Sind wir noch zu retten? Auf diese zentrale Zukunftsfrage der Menschheit möchte ich mit Ihnen Antworten suchen.

Wir stehen heute vor der größten moralischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Wir führen bereits mehrere große Kriege zugleich:

  • Kriege um die letzten Ressourcen auf unserer Erde, zum Beispiel um Öl im Irak;
  • einen Weltkrieg gegen die Natur und damit gegen uns selbst.

Der Klimawandel könnte zum Klimakollaps, ja sogar zur Existenzgefährdung der Menschheit führen. Die Folgen der Erderwärmung allein in den letzten Wochen: Hochwasser in Bayern, Österreich und der Schweiz mit Milliardenschäden; Taifune in Ostasien, die 150 Menschenleben kosteten und die Hurrikan-Katastrophe im Süden der USA mit vielen tausend Toten und Schäden von 600 Milliarden Dollar - schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Die Klimaforscher haben diese Entwicklung fast exakt vorher gesagt. Wir wollten sie mehrheitlich nicht wissen und haben die Gefahren verdrängt. Habgier, Unwissenheit und Bequemlichkeit waren stärker als Einsicht, Demut vor den Naturgesetzen und unsere Bereitschaft zur Umkehr.

Entweder lernen wir, künftig mit der Natur zu leben, zu arbeiten und zu wirtschaften oder wir werden von diesem Planeten verschwinden. Die Weisheit der Natur ist unsere große Lehrmeisterin.

Aber sind wir noch lernfähig? Der Dalai Lama sagte in einer meiner Fernsehsendungen: "Ohne Menschen ginge es der Erde besser."

Über die steigenden Öl- und Benzinpreise werden wir täglich daran erinnert, dass die Ressourcen, mit denen wir nach 1945 unseren Wohlstand aufgebaut haben, zu Ende gehen. Wir erleben eine Zeitenwende: Bisher haben die Ökonomen die Ökologen gefragt: Können wir uns Klimaschutz finanziell leisten? Wie teuer wird das? Jetzt müssen Ökologen die Ökonomen fragen: Wie teuer wird es, wenn wir das Klima nicht schützen? Klimaschutz kostet, aber kein Klimaschutz kostet unsere Zukunft.

Noch dramatischer für die Zukunft der gesamten Menschheit und für alles Leben auf unserem Planeten ist, dass künftig alle sechseinhalb Milliarden Menschen so leben wollen wie die 800 Millionen in den Industriestaaten heute leben. Wir wissen, dass der Planet diese Entwicklung nicht aushalten kann. Andererseits ist diese Entwicklung auch nicht aufzuhalten. Die bisherigen Habenichts fordern ihr gutes Recht, so zu leben wie wir.

Ist die ganz große Katastrophe noch abzuwenden? Jede und jeder weiß aus seinem privaten Leben, dass jede Krise auch ihre Chance hat. Politiker und Ökonomen haben auf die existenziellen Zukunftsfragen noch keine wirklichen Antworten. Der aktuelle Wahlkampf in Deutschland lieferte für diese Analyse unserer politischen Kultur wieder einmal den Beweis. Aber Wissenschaftler und Forscher, Ingenieure und Visionäre in aller Welt haben längst Konzepte für eine bessere Welt entwickelt. Darüber wollen wir Tag nachdenken.

Es geht um neue Arbeitsplätze und eine bessere Umwelt, um erneuerbare und umweltfreundliche Energien, um Gesundheit und Lebensmittelproduktion, um gesunde Böden, saubere Luft und reines Wasser, um die Zukunft des Bauens und unseres Bildungssystems, um eine ökologische Spiritualität und um unser Wohlbefinden im Alter, wenn künftig viele von uns hundert Jahre und älter werden. Und vor allem: Wie können wir den Welthunger überwinden?

Und dabei werden wir auch immer die Zukunft unserer Kinder und Enkel zu bedenken haben, für die wir mitverantwortlich sind.

Prognosen, um die es in dieser Zukunftsserie gehen wird, sind mögliche Entwicklungen unter bestimmten politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Prognosen sind also keine exakten Vorhersagen, wohl aber realisierbare Entwicklungschancen.

Es wird sich zeigen: Vieles von dem, was heute läuft, sind Auslaufmodelle, die etwa einem Zehntel der Menschheit materiellen Wohlstand, aber der großen Mehrheit Elend gebracht haben. Wenn wir in etwa 50 Jahren neun Milliarden Menschen sein werden, können nicht alle 10-Liter-Autos fahren. Aber dennoch können alle mobil sein und ein gutes Leben führen, freilich unter anderen Voraussetzungen als heute.

Wenn es allen gut gehen soll - was grundsätzlich möglich ist - werden wir vieles ändern müssen. Und wir werden auch sehen: Dieser Planet kann - nach einer UNO-Studie - 12 Milliarden Menschen ernähren - übrigens ohne Gentechnik. Es reicht auf dieser Erde für Jedermanns Bedürfnisse, aber es reicht nicht für Jedermanns Habgier.

Bert Brecht hat gesagt: "Das Schicksal des Menschen ist der Mensch." Ganz anders definiert George W. Bush menschliche Verantwortung: Der US-Präsident hat sich fünf Jahre lang geweigert, das harmlose Kioto-Protokoll zu unterschreiben. Nachdem ihm seine Berater nach der Hurrikan-Katastrophe im Süden der USA vorrechneten, dass Sturm und Killerwellen mehreren zehntausend Menschen das Leben gekostet und Schäden von bis zu 600 Milliarden Dollar angerichtet hatten, will der Präsident immer noch nicht in Klimaschutz investieren, sondern hat seine Mitbürger aufgefordert, zu trauern und zu beten. Eine ungeheuerliche Gotteslästerung! Wir können für unsere eigenen Dummheiten und Verbrechen doch nicht den lieben Gott verantwortlich machen.

Auf jeden Fall werden wir lernen müssen, anders zu leben, damit Andere überhaupt leben können.

Die Welt, auch die heute noch reiche Welt, hat keine Zukunft, solange alle fünf Sekunden ein Kind verhungert. Klaus Töpfer nennt das, was heute weltweit läuft, ein "globales Selbstmordprogramm".

Ich will aber aufzeigen, dass ein ökologisches Wirtschaftswunder möglich ist und wir dadurch neue Chancen bekommen. Es wird sich zeigen, dass die Ökologie im 21. Jahrhundert die intelligentere Ökonomie werden kann. Für diesen Transformationsprozess werden wir viele positive und ermutigende Beispiele kennen lernen.

80 Prozent unserer heutigen Umweltprobleme sind Energieprobleme. Wir verbrennen heute an einem Tag so viel Kohle, Gas und Öl, wie die Natur in 500.000 Tagen angesammelt hat. Deshalb die Klimaerwärmung, die der Planet nicht mehr lange aushalten kann. Wir können aber in den nächsten Jahrzehnten zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energiequellen umsteigen.

Wussten Sie, dass uns allein die Sonne jeden Tag 15.000 mal soviel Energie zur Verfügung stellt, wie alle 6,5 Milliarden Menschen zur Zeit brauchen?

Wir müssen nur unser Brett vor der Sonne entfernen. In der Kraft der Sonne und in der Kreativität der Natur spiegelt sich die göttliche Weisheit und die göttliche Intelligenz. Im Vertrauen auf die Weisheit der Schöpfung finden wir Wege aus der Krise. Ja, wir sind noch zu retten - wenn wir es wirklich, wirklich wollen.

Es wird also um die Überlebensfragen der Menschheit gehen.

Weiterlesen / Weiterempfehlen

← zurück  |  Dr. Franz Alt  |  Umweltpolitik  |  weiterempfehlen →

Newsletter abonnieren

Lassen Sie sich über neue Politik-Poker-Artikel per E-Mail informieren:

Angebote von
Politik-Poker-Fans

Held am Herd - Klick zur Heldenkollektion